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Als vierfache Mutter, als Frau und als Mensch, der unsere Gesellschaft mit offenen Augen beobachtet, hat mich dieser Beitrag zum Nachdenken gebracht.
Ich kann den Gedanken nachvollziehen, dass Wohlstand nicht einfach vom Himmel fällt. Hinter jedem Unternehmen, hinter jeder Innovation und hinter vielen Arbeitsplätzen stehen Menschen, die Risiken eingehen, Verantwortung übernehmen und oft mehr leisten, als nach außen sichtbar ist. Das verdient Anerkennung.
Gleichzeitig glaube ich aber, dass wir den Begriff "Evolution" nicht nur wirtschaftlich betrachten dürfen.
Als ich den Artikel gelesen habe, musste ich sofort an das Musikvideo von Pearl Jam – "Do the Evolution" denken. Obwohl es bereits Ende der 1990er-Jahre veröffentlicht wurde, wirkt seine Botschaft heute erschreckend aktuell. Das Video zeigt die Entwicklung der Menschheit – von ihren Anfängen bis hin zu Krieg, Macht, Ausbeutung, Industrialisierung, Konsum und Umweltzerstörung. Es stellt die unbequeme Frage, ob wir uns technisch zwar rasant weiterentwickelt haben, moralisch aber oftmals auf der Stelle treten.
Auch Michael Jackson hat mit Liedern wie "Earth Song" oder "Heal the World" schon vor Jahrzehnten genau diese Fragen gestellt. Wie gehen wir mit unserer Erde um? Wie behandeln wir andere Menschen? Welche Welt hinterlassen wir unseren Kindern?
Eigentlich wissen wir die Antworten längst.
Und trotzdem scheint sich vieles zu wiederholen.
Wir sprechen von Fortschritt, während Kriege geführt werden. Wir sprechen von Wachstum, während Ressourcen knapper werden. Wir sprechen von Freiheit, während viele Menschen das Gefühl haben, immer stärker unter wirtschaftlichem, gesellschaftlichem oder politischem Druck zu stehen.
Ich möchte dabei weder "die Politik", noch "die Wirtschaft" oder "die Industrie" pauschal verurteilen. In all diesen Bereichen arbeiten Menschen mit ganz unterschiedlichen Überzeugungen und Motiven. Aber ich wünsche mir, dass Macht – egal ob politisch oder wirtschaftlich – immer wieder kritisch hinterfragt wird. Denn Geschichte hat uns oft genug gezeigt, dass Macht ohne Verantwortung gefährlich werden kann.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass wir als Gesellschaft sehr leicht abzulenken sind. Die alten Römer nannten es "Brot und Spiele". Heute heißen diese Ablenkungen vielleicht anders: Dauerunterhaltung, soziale Medien, Konsum oder permanente Empörung über das nächste Schlagwort. Während wir uns darüber streiten, geraten die wirklich großen Fragen oft aus dem Blick.
Wie wollen wir künftig leben?
Welche Werte sollen unsere Kinder mitnehmen?
Wie schaffen wir Wohlstand, ohne unsere Umwelt zu zerstören?
Wie verbinden wir wirtschaftlichen Erfolg mit Menschlichkeit?
Diese Fragen gehen uns alle an.
Ich bin Mutter von vier Kindern. Deshalb denke ich nicht nur an das Heute, sondern auch an das Morgen. Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der Leistung anerkannt wird, aber Mitgefühl nicht als Schwäche gilt. Eine Gesellschaft, in der wirtschaftlicher Erfolg und soziale Verantwortung keine Gegensätze sind. Eine Gesellschaft, die Innovation fördert, ohne dabei ihre Menschlichkeit zu verlieren.
Veränderung beginnt nicht erst in Parlamenten oder Vorstandsetagen. Sie beginnt bei jedem Einzelnen von uns – darin, wie wir miteinander umgehen, welche Entscheidungen wir treffen und ob wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Und ja: Wenn Menschen mit Entwicklungen nicht einverstanden sind, dann ist es ein wichtiges demokratisches Recht, ihre Stimme zu erheben – friedlich, respektvoll und im Dialog. Demonstrationen, Diskussionen und gesellschaftliches Engagement gehören zu einer lebendigen Demokratie. Sie sind Ausdruck davon, dass Menschen Verantwortung übernehmen und sich einbringen möchten.
Vielleicht sollten wir uns deshalb öfter fragen:
Nicht nur, wie wir mehr produzieren oder mehr verteilen können.
Sondern, welche Art von Gesellschaft wir eigentlich sein wollen.
Die Evolution hat uns die Fähigkeit gegeben, zu denken.
Unsere Menschlichkeit zeigt sich darin, was wir aus dieser Fähigkeit machen.
Liebe Grüße
Martina ("Momo")
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